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Transparenz

Wissenschaftliche Grundlagen

Stand: Juli 2026.

„Fachlich geprüft“ soll bei uns kein leeres Versprechen sein. Auf dieser Seite legen wir offen, auf welche Studien, Fachorganisationen und gesetzlichen Grundlagen sich die zentralen Aussagen im Kurs stützen. Nicht jeder einzelne Satz im Kurs ist ein wörtliches Zitat aus einer Studie: vieles beruht auch auf etablierten, breit anerkannten Konzepten der Präventionsarbeit sowie auf der langjährigen beruflichen Erfahrung der Kursautor:innen in Jugendpsychiatrie, Jugendheim, Asylzentrum und Kita- Betreuung. Wo eine konkrete Zahl, ein rechtlicher Sachverhalt oder ein benanntes Modell im Kurs vorkommt, findest du die zugehörige Quelle hier.

Zentrale Statistik: Häufigkeit sexualisierter Gewalt

Die im Kurs verwendete Zahl „Jedes 7. Kind erlebt sexualisierte Gewalt, meist durch jemanden aus dem nahen Umfeld“ stammt aus der bislang umfassendsten Schweizer Untersuchung zu diesem Thema: der Optimus-Studie 2012. Dafür wurden rund 6700 Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren befragt, durchgeführt von Forschenden der Universität Zürich, finanziert von der UBS Optimus Foundation.

Wie Täter vorgehen: Grooming

Die im Kurs beschriebenen Phasen der Anbahnung (Auswahl, Vertrauensaufbau, Isolation, schrittweise Grenzverschiebung, Geheimhaltung) folgen dem in der Forschung etablierten Verständnis von sexuellem Grooming, unter anderem geprägt durch David Finkelhors „Precondition Model“ sowie nachfolgende Grooming-Stufenmodelle in der kriminologischen Fachliteratur.

Kindliche Sexualentwicklung und Doktorspiele

Die Kriterien, mit denen wir im Kurs altersgemässe kindliche Neugier („Doktorspiele“) von grenzverletzendem Verhalten unterscheiden (Altersunterschied, Gegenseitigkeit, kein Machtgefälle, keine Penetration), beruhen auf der Fachklassifikation der auf sexualisierte Gewalt an Kindern spezialisierten Fachstelle Zartbitter.

Kinder mit Behinderung als besonders gefährdete Gruppe

Dass Kinder mit Behinderung ein deutlich höheres Risiko haben, sexualisierte Gewalt zu erleben, ist in der Forschung gut belegt: Studien im Auftrag des deutschen Bundesfamilienministeriums und des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) finden ein zwei- bis mehrfach erhöhtes Risiko gegenüber Kindern ohne Behinderung.

Wer sind die Täter:innen? Geschlecht und Umfeld

Im Kurs weisen wir darauf hin, dass weibliche Täterschaft besonders häufig übersehen wird. Die grosse Mehrheit der Täter ist männlich, meist werden 80 bis 90 Prozent genannt. Auf Frauen entfallen je nach Studie rund 10 bis 20 Prozent der Fälle. Wie hoch diese Anteile genau sind, hängt stark von der jeweiligen Studie und Definition ab, denn eine einheitliche nationale Erhebung, die alle Formen sexualisierter Gewalt gleich erfasst, gibt es bislang nicht. Innerhalb der Familie sind deutlich häufiger Väter beteiligt (rund 36 Prozent der familiären Täterschaft) als Mütter (rund 8 Prozent). Für den Kurs zählt am Ende aber nicht das Geschlecht: Wachsam sein sollte man gegenüber allen nahestehenden Personen, nicht nur gegenüber Männern.

Warum wir im Kurs vor Suggestivfragen warnen

Der Kurs rät explizit davon ab, Kindern beim Verdacht auf Grenzverletzungen mehrfach nachzufragen oder Antworten anzudeuten. Grundlage dafür ist die aussagepsychologische Forschung, unter anderem geprägt durch die Gedächtnisforscherin Elizabeth Loftus: Schon die Formulierung einer Frage kann die spätere Erinnerung eines Kindes an ein Ereignis verändern und Details hinzufügen oder verzerren. Vorschul- und Kindergartenkinder sind für solche Suggestiveffekte besonders empfänglich. Offene, nicht wertende Fragen und eine ruhige, ergebnisoffene Gesprächshaltung schützen sowohl die kindliche Erinnerung als auch die spätere Verwertbarkeit einer Aussage, besser als wiederholtes Nachfragen.

Machtgefälle in Jugendbeziehungen

Im Kurs weisen wir darauf hin, dass Macht auch zwischen zwei Gleichaltrigen sehr ungleich verteilt sein kann, etwa in ersten romantischen oder sexuellen Beziehungen unter Jugendlichen. Das entspricht dem in der Fachliteratur etablierten Konzept der „Coercive Control“: einem über die Zeit aufgebauten Muster aus Kontrolle, Isolation, Überwachung, Drohungen und Druck, mit dem eine Person die andere schrittweise unterordnet, unabhängig vom Alter beider Beteiligten. Studien zu „Teen Dating Violence“ im deutschsprachigen Raum zeigen, dass ein solches Machtgefälle durch Versprechungen, vermeintliche Anerkennung, Drohungen oder auch körperliche Gewalt ausgenutzt werden kann.

Cyberdelikte gegen Kinder: Zahlen aus der Schweizer Kriminalstatistik

Die im Kurs erwähnte Zunahme digitaler Formen sexualisierter Gewalt lässt sich anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nachvollziehen: Sie erfasst seit 2020 auch Cyberdelikte, darunter verbotene Pornografie, Cyber-Grooming, Sextortion und das Livestreaming sexueller Gewalt gegen Kinder. 85 % der von Cyber-Sexualdelikten Betroffenen sind unter 20 Jahre alt. Im Schnitt werden in der Schweiz täglich drei Fälle sexueller Handlungen mit Kindern registriert. Wichtig für die Einordnung: Eine registrierte Zunahme kann sowohl eine tatsächliche Zunahme der Taten als auch eine verbesserte Erfassung und ein gestiegenes Anzeigeverhalten widerspiegeln.

Rechtliche Grundlagen und Anlaufstellen

Die Forschung oben gilt länderübergreifend. Beim Recht und den Notfallnummern ist das anders: Schutzalter, Meldewege und Nummern unterscheiden sich zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich. Der Kurs zeigt dir daher die passenden Angaben für dein gewähltes Land direkt im jeweiligen Lektion. Hier die Quellen für alle drei Länder:

Schweiz

Deutschland

Österreich

Wie wir diese Quellen aktuell halten

Damit hier nichts unbemerkt veraltet, prüfen wir die Quellen nach einem festen Ablauf. Die Erreichbarkeit aller aufgeführten Links wird monatlich automatisch kontrolliert. Zahlen und Rechtsgrundlagen sehen wir uns mindestens einmal jährlich an, ausserdem immer dann, wenn eine grössere Studie erscheint oder sich ein Gesetz ändert.

Ist dir eine Ungenauigkeit aufgefallen?

Trotzdem kann uns etwas entgehen. Fällt dir eine veraltete Angabe oder eine fehlende Quelle auf, schreib uns gerne an info@sicheraufwachsen.ch.